Tiebas – Eunate(Tag 16)
Um 9 Uhr kommt der Herbergsvater und wundert sich nur um die Unordentlichkeit, die er hier vorfindet. Ich habe ueberall meine nassen Klamotten hingehaengt, mein Zelt trocknet auf dem Bett, die Toepfe sind dreckig und das Bier steht neben mir auf dem Boden, dazu guck ich ihn verschlafen aus meinem Schlafsack an. Ich muss die Herberge verlassen und mache mich sodann auf den Weg.
Heute geht der Weg ein ganzes Stueck an der Autobahn entlang, ca. 3h laufe ich bis ich merke, dass ich zuweit bin. Der Weg hoert ploetzlich auf. An den Spuren im Sand erkenne ich, dass ich in den letzten Tagen nicht der einzigste war, der hier falsch gelaufen ist und gehe zurueck bis zur nachsten Unterfuehrung, male mit meinem Marker noch die Richtung des Camino an den Beton und dann durch den schlammigen Tunnel. Am anderen Ende zweifele ich jedoch, weil der Weg saemtlichen Beschreibungen entgegenspricht, ich laufe trotzdem weiter, alles ist heute bei dem windigen Wetter recht muehsam. Ein Autofahrer weiste mich mit Hupen auf eine andere Richtung hin. Ich bin immer noch komplett falsch und laufe fast den gesamten Weg zurueck bis ich die richtige Unterfuehrung finde, ah – endlich wieder auf dem Camino, ich bin ueber 3h falsch gelaufen, habe nur einen kleinen gelben Pfeil uebersehen.
Am Abend komm ich dann an der Eunate an, ein grandioser Bau, der mich recht mystisch anzieht. Es heisst es sei der Ort von 100 offenen Toren und man sagt die Temperitter haben ihn damals errichtet, weil er ueberhaupt nicht typisch ist. Mich fasziniert vor allem die Schlichtheit und der symmetrische Aufbau, irgendwie fuehle ich mich dem Bau sehr hingezogen.
Ich moechte eigentlich noch weiter, aber 2 aeltere Spanier bequatschen mich, dass ich auch hier uebernachten kann und alles auf Spendenbasis. mir kommt dies sehr entgegen, so wende ich mich an den Herbergsleiter. Es sei eine Pilgerin hier und er wuerde nur noch eine weitere Person aufnehmen, ich komme wie gerufen. Der herbergsvater, ein ehemaliger Professor wirkt auf mich sehr kuehl und rational, zeigt mir wo ich Bad, WC und Kueche finde und macht sich daran das Abendessen fuer uns alle zuzubereiten. Ich treffe Gertrud aus dem Schwarzwald und wir freunden uns gleich bestens an. Da der Herbergsvater recht ruhig ist, muss man ihm alles aus der Nase ziehen, fuer mich recht anstrengend, da er auch kaum in uns zu interessieren scheint und dies wohl mehr als seine Pflicht sieht uns zu bedienen. Gertraut ist dies auch recht komisch. Nach dem Abendessen wirds jedoch noch mystischer, den wir gehen noch einmal allesamt in die Eunate. Er vertreilt ein gebetsheft auf deutsch und wir lesen die Strophen abwechselnd laut vor, das alles mit 2 Kerzen, die wir vor den Haenden halten. Danach singt er aus Leibes kraeften ein Ave Maria und wir verharren in kompletter Stille fuer weitere 5 Minuten. Mir laueft der kalte Schauer ueber den Ruecken.
Als wir dann wieder in der anlegenden Herberge sind ist Schlafenszeit angesagt, Gertraut ist recht froh, dass ich dabei bin, allein ware es ihr in diesem Gemauern in dem nicht abschliessbaren Raum mit dem typen schon recht gruselig vorgekommen. Also, wieder mal ne gute Tat von mir, ich freu mich…




















