Somport – Castello de Jaca (ca.) (Tag 9)


Um halb 10 kommt mir der Inhaber der Herberge auf der Treppe entgegen, er war wohl gerade dabei mich rauszuwerfen. Ich pilgere los und durchquere das recht unansehnliche Ski-Gebiet. Ne Menge Touristen tummeln sich hier, weit und breit bin ich der einzigste Pilger, ich bekomme Blicke geschenkt, naja. Die Leute wundern sich wohl, dass ich statt Skieern 2 Holzstaebe dabei habe.
Heute gehts die ganze Zeit an der Strasse entlang, recht langweilig, dafuer aber auch dichter und vor allem schneller Verkehr. Die Spanier fahren allesamt ziemlich dich an mir vorbei, es passiert zwar nichts, aber unangenehm ists mir schon. Der Weg geht so einige Kilometer, ich kuerze ab und verlasse die Strasse um einen Fluss zu ueberqueren, komme ein paar Minuten spaeter in Can Franc Estacion an, dann fuerht mich der Weg, genauer gesagt die gelben Pfeile Gott sei Dank raus aus dem Ort.
Meine Lunge erholt sich, Zeit fuer Vesper. Spaeter komm ich an ein recht mittelalterliches Dorf Castillo de Jacca an. Hier gibts einige Ausgrabungsstellen und eine nette niedliche Kirche neben der von Betonbauten wimmelnden Neuteil der Stadt. Einerseits sehr haesslich, andererseits recht romantisch. Ich will weiter.
Am Horizont erkenne ich eine ruinenmaessig anmutende Kirche, da will ich heute hin. Irgendwie ziehts mich als ob es keinen anderen Weg gehen koennte. Die Ruine, so sagt mir ein Pferdehirt sei verlassen, man komme ueber eine Serpentinenroute in 2h hin. Die Ruine ist weitab von der Route, er habe sich gewundert, dass ich den Pilgerweg verlasse. So ein Umweg scheine sich fuer ihn nicht zu lohnen. Aber vor mir thront hoch oben auf dem Berg diese Kirche, ich moechte einen direkten Weg finden und mach mich auf, ueberquere Bahngleide und dannt kommt ein Fluss. Hier komm ich nicht leicht rueber. Ich folge ihn ein wenig und entdecke den Staudamm, leider eine kaputte Bruecke, shit! Also mach ich mich ran mit leichtem Fusse den Staudamm zu ueberqueren. Das Wasser fliesst recht schnell, es ist glibschig und ich koennte jeden Moment ausrutschen und in die Flut fallen, jedoch nur ein kleines Risiko wenn man langsam laeuft, also lass ich mir Zeit. Danach erklimme ich den berg, finde eine Route, ein ehemaliger Bqachlauf und folge ihn, irgendwo muss dies an der Ruine langfuehren denke ich mir.
Als ich sehe, dass der Sonnenuntergang naht, wird mein Schritt schneller, ich scheine zu rasen vor Motivation, vor Ehrgeiz. Dann komm ich an einen recht dichten Dornenwald und schlage mich durch wie Prinz Eisenhart. Danach wirds recht sumpfig, ein richtiges Moor, ich muss aufpassen wohin ich trete. Alles wirkt recht mysterious. Ich glaube ein guter Ort um Maerchen zu schreiben oder zu verfilmen, mir gefaellts. Dann, die Sonne ist schon leicht hinter dem Berg verschwunden komme ich endlich an. Endlich!
Ein garndioser Ausblick und ich geniesse die letzten Minuten bis die Sonner hinter dem berg verschwindet. Dann bau ich mein Zelt auf, bin ein wenig ueberrascht schon so zeitig schlafen gehen zu muessen, das Licht ist nicht genug um zu lesen so bleibt nichts anderes uebrig.
Die Nacht hab ich kaum ein Auge zugedrueckt, alles ist ein wenig sensibler, wenn man nachts allein schlaeft, gerade noch an einer verlassenen Ruine. Ich hoere viele Tiergeraeusche, vor allem ein Uhu-aehnliches Wesen treibt sein Unwesen diese Nacht mit lautem Klaengen. Wir Stadtmenschen sind sowas doch gar nicht mehr gewohnt, es spielt sich viel im kopf ab – ein richtiges Kopfkino, dann kommt doch der Schlaf, wenn auch nur fuer ein paar Stunden…

























