Archive

Archive for April, 2009

Ages – Burgos (29er April)

April 29th, 2009

img_4830img_4813img_4819An meinem Wanderstock erkennt man, dass ich nicht erst seid gestern unterwegs ist, er hat schon genauso Haare bekommen wie ich kann man sagen…

Ich laufe des Weges mit Steffen, der Weg geht gerade aus, jedoch sehe ich wie links auf dem Feldweg auch ein Zeichen zu sehen ist. Wir entscheiden uns die Strasse zu verlassen, jedoch merken wir kurz spaeter, dass der Weg nach 20m wieder zurueckfuert. So treffen wir Simon aus Frankreich, der sich wundert weil wir so einen Schlenker machen. Ich lache nur und meine, dass wir bevorzugen die Originalroute zu nehmen und so sind wir im Gespraech.
Simon ist seit knapp 3 Wochen unterwegs und geht den Camino komplett ohne Geld, wir wuerden sicher dazu sowas wie Bettelpilger sagen, aber das waere zu einfach und wuerde einem nur einen Stempel aufdruecken. Unser Gespraech geht gleich in die vollen, so verlieren wir Steffen. Dass er auch in Spanien ohne Geld weiterkomme war ihm erst nicht sicher, aber nun meint er es sei kein Problem, er treffe recht viele Pilger und von Zeit zu Zeit faellt ein wenig Brot, ein paar Fruechte ab, die Leute sind recht hilfsbereit, obwohl er kein spanisch spreche. Ich finds klasse und erinnere mich gleich an Michael Holzbachs Taten “Umsonst in Deutschland”, wie er ein halbes Jahr durch Deutschland reiste ohne einen Pfennig in der Tasche. Schjon nach ein paar Seiten hatte ich das Gefuehl er habe mehr Abenteuer in bereits 6 Wochen erlebt als andere in ihrem ganzem Leben. Simon ermutigt mich in dem Gedanken, dies auch zu probieren, allerdings werd ichs hier in Spanien nicht anfangen, dazu sind meine Zehenschuhe und mein Equipment viel zu “neu”. Aber wer weiss, warum nicht mal nach Jerusalem pilgern ohne den geringsten Euro in der Hand?
Nach ein paar Kilometern kommen wir dnn in den Beton-Vorstadt-Moloch von Burgos. 7km nichts als haesslicher Beton, die Zeit vergeht jedoch schnell, besser kanns nicht gehen. Ich lade Simon ein heute mit in die Herberge zu komme, ich werd auch was zu Essen bzubereiten. Er willigt nach kurzem ueberlegen ein, er wolle eigentlich weiter, weil er Staedte meide, ausserdem schlafe er meist in seinem Zelt, da es selten Herbergen auf Spendenbasis gibt. Aber dann stehen wir vor dem Palast Burgos, eine neue Herberge, aehnlich einem Hotel und das fuer 3 Euro. Nachdem wir eingecheckt haben mache ich Abendessen, heute was ganz besonderes mit wenig Geld: Pan con Tomate, typisch catalan und schnell zubereitet. Simon lacht nur, denn das haette er nicht erwartet, er dachte eher an was Warmes, wir grinsen.
Spaeter treffen wir Gabriel und gehen am Fluss einen rauchen, fuer Simon die letzte Zigarette, denn er moechte aufhoeren. Ich lache nur und wuensche ihm das Beste. Die restlichen Zigaretten wirft er in den Muelleimer. Zeit fuer Abschied

Allgemein

Santo Domingo – Grañon (26. April)

April 26th, 2009

img_4742img_4740Heute schaff ich es kilometermaessig nicht besonders weit, denn ich treffe nach kurzer Zeit Gertrud wieder, die mir von der Herberge in Grañon erzaehlt. Einer der ersten von Freiwilligen organisierte Herberge inmitten einer alten Kirche. OK, das will ich mir zuerst einmal angucken bevor ich einwillige, denn heute waeren es nur 7km – sogut wie 1 Tag ausschlafen oder gar nichts machen.
Der erste Blick in die Herberge wirft mich jedoch dann doch vom Hocker, ein geraeumiger Gesellschaftsraum und ein paar Leute die vorm offenen Kamin sitzen. Alles klar, hier bleibe ich heute. Die Herbergsmutter kommt ein wenig spaeter begruesst uns alle, dann gehts auch schon los. Sie fordert uns auf ihr beim Essen machen zu helfe. Alle sitzen wir zusammen und schaelen Kartoffeln, Moehren ganz nach ihrer Art und Weise, der eine schneller der andere eben nicht.
Dann wird gemeinsam gegessen, der Wein fliesst und auch die Energie, denn hier ist eindeutig ein positives Klima zwischen den Leuten zu spueren, ich bin froh, dass ich hier geblieben bin. Ich treffe ein paar kuriose Gestalten hier, spaeter gehts mit den anderen auf die Matratzen…

Allgemein

Los Arcos – Logroño (Tag 19)

April 23rd, 2009

img_4625img_4630img_4627ich werde recht frueh durch das Rascheln der Pilger wach. Hier herrscht ein anderer rythmus und die meisten stehen schon um 6Uhr morgens auf um sich einen guten Platz in der naechsten herberge zu erhaschen, mich laesst das echt kalt – hab immer noch mein Zelt parat.

Heut morgen treffe ich Thorsten und Claudia, beiden haben sich ganz schoen den Arsch aufgerissen, um ihren urlaub gemeinsam fuer 5 Wochen zu buchen. Es war nicht einfach und die Arbeitskollegen haben sich teilweise echt nicht kooperativ gezeigt, aber nun sind sie auf den Weg und heilfroh darueber. Zwar haben sie ein knappes Zeitfenster, wollen es aber trotzdem bis nach Finisterre schaffen.

Gemeinsam mit ihnen komme ich in Logrono an. Sie werden diesmal sich eine Pension goennen, da ists ruhiger und sie sind unter sich. Ich meine dies sei zwar nicht im Pilgersinn aber goenne es ihnen trotzdem.

ich moechte in die Stadtherberge, noch 2 Plaetze wird mir entgegengeschriehen und ich sehe die enttaeuschten gesichter, des hinter mir ankommenden barsil. Paarchens. Ich goenne Ihnen den Vortritt, sie strahlen und sind mir sehr dankbar. Ich hab ja immerhin noch mein Zelt.

Auf der Suche nach einer anderen Herberge treffe ich Carmen, sie hat meine Kamera auf dem Weg gefunden, hab ich wohl beim kurze Hose umziehen verloren, ich bin recht dankbar – all meine Fotos sind darauf zu finden. Es waeren sonst kaum Erinnerungen… Da die Herberge geschlossen ist, wollen sie sich in einer Pension niederlassen, ich komme mit, der Preis von 25 Euro laesst mich jedoch absagen. Ich gehe zurueck zur alten Herberge und moechte dort nach einer Ausnahme fragen, wueder schon gern die Nacht hier verbringen. In der groesseren Stadt gibt es einiges zu sehen. Aber das laesst die Hospitalieros kalt, sie lassen sich durch nichts erwaermen, auch nicht als ich ihnen sage, dass ich kein Bett brauche und auch sonst alles mithabe um auf kaeltesten Boden zu schlafen.

Also moechte ich weiterziehen, aber zuvor fuell ich meine Wasserflasche auf. Ein Filmteam steht neben dem Wasserhahn und macht gerade Interviews mit den Pilgern daneben, ich stoere sie wohl ein wenig und sie gucken mich ein wenig boese an. Als ich jedoch die Flasche einpacken will, kommt der Filmkoordinator zu mir und fragt, ob ich fuer eine Szene meine Flasche noch einmal nachfuellen kann. Sie machen eine Dokumentation ueber Wasser fuer das japanische Fernsehen und ihnen hat der moment am Brunnen gerade gefallen. Ich lass mich nicht lumpen und tue, was sie wollen. Dann gucken sie verbluefft auf meine Schuhe und stellen mir ein paar Fragen, was ich mache, wie ich dazu komme den Jakobsweg zu gehen, wie ich meine Flasche gebrauche und welche Vorteile die lustig wirkenden Schuhe haben. Ich erzaehle ihnen alles, und das bis in jedes Detail, die Kamera lauft mit. Sie sind am Ende sogar so begeistert, dass sie ein paar Szenen mit mir in der Bar drehen wollen und bieten mit ein Abendessen und Gratis Getraenke an. Da kann ich natuerlich nicht absagen und bin dabei.

In der Bar gibt es 2 schnuckelige Maedels, die wie gerufen kommen. Eine Szene ist, wie ich in die Bar gehe, der Rest ergibt sich von selbst, da ich mich mit den Maedels kurschliesse und Smalltalk halte, die Kamera nimmt jedes Detail auf und ich geb den Maedels auf deren Kosten Bier und Tapas aus. Wir schwaetzen und lachen, mir gefaellts und dabei geb ich nicht einen Penny aus.

Dann kommt der Koordinator ploetzlich auf mich zu, bedankt sich und zieht mit dem Film davon, die Rechnung sei bezahlt und “alles im Kasten”. Nur ich noch nicht, denn ich suche noch ein Plaetzchen zum Schlafen. Die Maedels wohnen leider bei ihren Eltern, das ist hier in Spanien so ueblich und das sogar im Schnitt ziemlich lange, teilweise sitzen sie im Alter von 35 noch mit der Mutter am Esstisch. Also lass ich mich von ihnen noch zum Camino bringen, dort verabschieden wir uns.

Dann treff ich noch einmal das Filmteam und Pawel, der Koordinator meint, er habe die Idee und ist sehr dankbar mich noch einmal zu treffen. Er moechte mich beim Zeltaufbau filmen und am naechsten morgen, wie ich einpacke und gen Sonnenaufgang weiterziehe, ich willige ein, hab ja nix zu verlieren. Doch dann streikt der Kameramann, ihm ist das alles zu spontan und er moechte im Hotel, statt auf dem Feld uebernachten. So werd ich gefragt, ob ich die Nacht nicht im Hotel verbringen mag, es gebe dann noch einmal Abendessen und Fruehstueck, ich lass mich drauf ein, es kommt mir soweiso gerade wie gerufen. Obwohl ich den Kompfort des Hotels nicht gerade bevorzuge lasse ich mich fuers japanische Fernsehen aufnehmen. Sie ich sei mit insg. 5 Minuten in der Doku zum Star des programm-Abends. Wers glaubt wird selig denk ich und geniesse die heisse Dusche vor dem Einschlafen. All for free!

Allgemein

Tiebas – Eunate(Tag 16)

April 20th, 2009

img_4549Um 9 Uhr kommt der Herbergsvater und wundert sich nur um die Unordentlichkeit, die er hier vorfindet. Ich habe ueberall meine nassen Klamotten hingehaengt, mein Zelt trocknet auf dem Bett, die Toepfe sind dreckig und das Bier steht neben mir auf dem Boden, dazu guck ich ihn verschlafen aus meinem Schlafsack an. Ich muss die Herberge verlassen und mache mich sodann auf den Weg.

Heute geht der Weg ein ganzes Stueck an der Autobahn entlang, ca. 3h laufe ich bis ich merke, dass ich zuweit bin. Der Weg hoert ploetzlich auf. An den Spuren im Sand erkenne ich, dass ich in den letzten Tagen nicht der einzigste war, der hier falsch gelaufen ist und gehe zurueck bis zur nachsten Unterfuehrung, male mit meinem Marker noch die Richtung des Camino an den Beton und dann durch den schlammigen Tunnel. Am anderen Ende zweifele ich jedoch, weil der Weg saemtlichen Beschreibungen entgegenspricht, ich laufe trotzdem weiter, alles ist heute bei dem windigen Wetter recht muehsam. Ein Autofahrer weiste mich mit Hupen auf eine andere Richtung hin. Ich bin immer noch komplett falsch und laufe fast den gesamten Weg zurueck bis ich die richtige Unterfuehrung finde, ah – endlich wieder auf dem Camino, ich bin ueber 3h falsch gelaufen, habe nur einen kleinen gelben Pfeil uebersehen.

Am Abend komm ich dann an der Eunate an, ein grandioser Bau, der mich recht mystisch anzieht. Es heisst es sei der Ort von 100 offenen Toren und man sagt die Temperitter haben ihn damals errichtet, weil er ueberhaupt nicht typisch ist. Mich fasziniert vor allem die Schlichtheit und der symmetrische Aufbau, irgendwie fuehle ich mich dem Bau sehr hingezogen.

Ich moechte eigentlich noch weiter, aber 2 aeltere Spanier bequatschen mich, dass ich auch hier uebernachten kann und alles auf Spendenbasis. mir kommt dies sehr entgegen, so wende ich mich an den Herbergsleiter. Es sei eine Pilgerin hier und er wuerde nur noch eine weitere Person aufnehmen, ich komme wie gerufen. Der herbergsvater, ein ehemaliger Professor wirkt auf mich sehr kuehl und rational, zeigt mir wo ich Bad, WC und Kueche finde und macht sich daran das Abendessen fuer uns alle zuzubereiten. Ich treffe Gertrud aus dem Schwarzwald und wir freunden uns gleich bestens an. Da der Herbergsvater recht ruhig ist, muss man ihm alles aus der Nase ziehen, fuer mich recht anstrengend, da er auch kaum in uns zu interessieren scheint und dies wohl mehr als seine Pflicht sieht uns zu bedienen. Gertraut ist dies auch recht komisch. Nach dem Abendessen wirds jedoch noch mystischer, den wir gehen noch einmal allesamt in die Eunate. Er vertreilt ein gebetsheft auf deutsch und wir lesen die Strophen abwechselnd laut vor, das alles mit 2 Kerzen, die wir vor den Haenden halten. Danach singt er aus Leibes kraeften ein Ave Maria und wir verharren in kompletter Stille fuer weitere 5 Minuten. Mir laueft der kalte Schauer ueber den Ruecken.

Als wir dann wieder in der anlegenden Herberge sind ist Schlafenszeit angesagt, Gertraut ist recht froh, dass ich dabei bin, allein ware es ihr in diesem Gemauern in dem nicht abschliessbaren Raum mit dem typen schon recht gruselig vorgekommen. Also, wieder mal ne gute Tat von mir, ich freu mich…

Allgemein

Iczko – Tiebas(Tag 15)

April 19th, 2009

img_4523Aus dem Schlaf erwacht mache ich mich recht spaet auf den Weg. In Monreal angekommen goenn ich mir eine Pause und platze zufaellig in eine Messe in der Kirche, ja stimmt ja – ist ja Sonntag – heute ist die Kirche offen. Nach der Messe reicht sich hier jedoch keiner die haende und wuenscht sich Frieden, auch werden keine Lieder gesungen, die Leute gehen einfach nur wieder nach hause, und das ziemlich ploetzlich.

Am Abend komm ich dann in Tiebas an, die Herberge ist eine alte verlassene Schule, ich ruh mich aus und lese in meinem Pilgerfuehrer, dass ich den Schluessel zur herberge in der Bar abholen kann. Diese liegt jedoch ein paar Meter zurueck, also beschliesse ich ersteinmal zu vespern.

Ein paar Kinder kommen gelaufen und fragen mich nach Zigaretten, da ich jedoch nicht rauche gibts ne kurze Absage. Dann kommen wir jedoch trotzdem ins Gespraech, sie sind total von den Zehenschuhen fasziniert. Nach einer Weile stehen ca. an die 7 Jugendliche um mich herum und ich erzaehle ihnen vom pilgern und vom Ziel, von den Tagen, die ich noch vor mir habe. Sie koennen sich kaum vorstellen, ueber 1000km zu Fuss zurueckzulegen und sind recht erstaunt. Dann organisiert mir eine sogar den Schluessel, eine andere bringt mir ein Brot. Ich frage sie im gleichen Zug nach einer Schere und minuten spaeter schneiden sie mir die ueberstehenden Haare an den Ohren vom Kopf, der Schnitt mit der Maschine am Tag meines Aufbruchs hat einige Stellen zurueckgelassen. ich bin total gluecklich unter den Leuten und fuehle mich wie Gott in Frankreich, und das in Spanien. Ich grinse breit ueber mein Gesicht und alle erfreuen sich meiner Gegenwart. Dann wollen sie mit mir durch den Ort gehen, ich soll ihnen ein paar Zigaretten kaufen. Obwohl ich das ungern tue, willige ich ein, sie kommen frueh oder spaeter ja eh an die Glimmstengel ran meine ich. Wir gehen zu den Ruinen und einige toben sich dort richtig aus. Mir ist das alles zu gefaehrlich und meine wieder ins Dorf zurueckzugehen. Wir begegnen ihren Freunden, die mit den Mottoraedern gerade vom Camino kommen. Ohne Lizenz fahren sie mit den riesigen Maschinen auf und ab, im Dorf gibts ja sonst nix zu tun.

Ich verabschiede mich dann von ihnen, die Muedigkeit ist mir anzusehen. Als ich die Herberge erreiche fragen mich die anderen Maedels mit mir durchs Dorf zu gehen, doch ich lehne ab. Eine Dorfrunde reicht mir, ausserdem moecht ich noch was kochen und endlich meine Klamotten reinigen.

In der Herberge koche ich dann mein gemuese, da sie allerdings leider kein Messer haben, zerteile ich die Kartoffeln, Bohnen und Mohrueben vorher mit meinen Zaehnen, ne andere Alternative gibts leider nicht. nach dem Essen finde ich ein verschlossenes Dosenbier und trinke es, haenge meine Sachen noch ueberall auf, ich bin ja komplett allein hiere und knall mich auf die 5 aufeinanderliegenden Matratzen um im Pilgerfuehrer zu lesen.

Ca. 3 Stunden spater merke ich ein grelles Licht in meinen Augen, ich bin vor lauter Muedigkeit und Saettigung in den Schlaf gefallen. Schnell loesche ich das Licht und leg mich wieder hin…

Allgemein

Undues de Lerda – Iczko(Tag 14)

April 18th, 2009

img_4510nach dem Abschied von den Franzosen und Einstein gehts wieder weiter. Heute ists eine sehr schoene Strecke, es geht direkt am Stausee yesa entlang durch einen grandioses Waldchen, alles wirkt so uhrig, gelassen, ich lass mich dort ein wenig zur Ruhe. Spaeter durchquere ich ein Oertchen, dass ca. nur noch 3 Einwohner hat, die dort die herberge und eine Bar betreiben. Der Rest des Dorfes nur Ruinen, sehr interessant – Jegliche Bewohner im Umkreis des Stausees mussten ihre Heimat verlassen, so wollte es der Diktator Franco und nicht anders. Die Bar scheint sehr alternativ, junge Leute, ein barbeque, laute Rockmusik, doch ich ziehe weiter. Der Ort kommt mir fuer eine Filmnacht oder Konzert wie gerufen, ich werd ihn mir vormerken…

ich ueberquere mehrere Felder und sehe viele Schaafhirten mit ein Dutzend von Schaafen, am Horizont immer wieder die Berge mit den typischen Windraedern von Navarra, der Wind pfeift hier ordentlich zur Sache, und jede Menge Geier und Voegel schwirren in der Luft. Als es beginnt zu dunkeln komme ich durch ein paar Felder mit frei herumlaufenden Kuehen, ein Bulle schaut mich kurz boese an, ich ignoriere und zieh weiter.

Dann erreiche ich endlich Iczko, es ist schon recht spaet: 20.30Uhr und ich bin froh in der Herberge anzukommen. Ich komme an einer Scheune mit einer Menge Leuten und lauter Musik vorbei. Eine Band spielt sich gerade mit Rockmusik ein, ich laechele innerlich, freu mich auf den Abend, es ist schliesslich Samstag. Ich bin zwar in einem kleinen “Kuhdorf”, aber das macht mir nichts, genug junge Leute sind zusammengekommen und es scheint ne richtige fete zu geben. Als ich jedoch in die Herberge eintrete begegne ich 2 Spaniern, die gerade Essen fuer die Fiesta vorbereiten. Sie wollen mich mit einem kurzen “cierrado”, “geschlossen” abwimmeln und lassen mich im Gang stehen. So steh ich einige Sekunden und verstehe nicht warum, will mir jedoch den Abend nicht vertreiben lassen, so denke ich wird mein Zelt wieder zum Einsatz kommen.

Dann gehe ich wieder zur Scheune und trete ein. Alle schauen mich an, als ob ich gerade vom Mond komme, Pilger treffen diese Leute wohl nicht sooft, kann ich auch verstehen, so bin ich immer noch auf einer ziemlich alternativen Route. Ich spreche mit der Barfrau und sie verstaut Rucksack und Stock, dann schaue ich der Band zu und komme zumindest mit den Technikern zu ein paar Worten. Die meisten wundern sich nur ueber meine Schuhe, aber keiner spricht mich an. Alle sind so sehr mit sich selbst beschaeftigt, diese Realitaet schlaegt mir heftigst auf den Magen. Die jungen Leute konsumieren Bier, reden recht laut miteinander und zerschneiden mit ihrem Lachen die mit Rauch gefuellte Luft. Es wird viel mit dem Handy gesprochen. Die Abhaengigkeit zu Medien und der Konsum sind nicht zu uebersehen.

Auf einmal dann werden alle Tische zusammengsetellt, es gibt Abendessen und das fuer alle. Kommt mir gerade Recht, so habe ich ausser Fruehstueck und ein wenig Wegschokolade nichts mehr gegessen und die Spaghetti konnt ich ja auch nicht kochen. Es wird ueberall Brot verteilt und Wein eingeschaenkt. Der eine Techniker, ein junger Bursche kriegt sich vor lauter Lachen gar nicht mehr ein. Er ist sehr ueber meine Dreistigkeit hier dran teilzunehmen verwundert und lacht sich ins Faustchen. ich hingegen sehe es als Entschaedigung an der Herberge so eine ignorante Absage bekommen zu haben und freue mich heute Teil des Dorfes zu sein, obwohl ich niemanden kenne. Es gibt Fleischsuppe mit Kartoffeln. Als ich jedoch reinbeisse, knirscht es. Jedes Stueckchen Fleisch, es soll Kaninchen sein besteht aus recht viel Knochen, es gibt kaum Ausnahmen, so essen alle mit den Haenden. Es scheint mir alles recht doerflich, alle fressen wie die Schweine und spucken ihre Knochen auf den Tisch, als waeren sie als Wikinger aus alten Zeiten erwacht. Aber ich passe mich an, so schmatze ich und ruelpse, was das Zeug haelt, ich bin ein Teil von Ihnen, obwohl es mir unangenehm erscheint.

Solangsam komm ich ins Gespaech mit den anderen vom Dorf, dank meiner Schuhe erzeuge ich grosse Aufmerksamkeit. Ich bekomme ein Bier, spaeter dann mehrere ausgeschaenkt, die Band spielt Rockmusik, einige tanzen. Ein Abend voller Rock and Roll, und das hier in mitten eines 200 Seelendorfes.

Um 3Uhr spielt dann die 3. Band, ich hab mich bereits mit vielen angefreundet und einige Bier getrunken. ich selbst spendiere nichts, will auf dem gesamten Weg kein Geld fuer Alkohol ausgeben. Als ich dann solangsam nach Unterkunft im Ort frage, bekomm ich viele Absagen. Die meisten sind aus dem Einzugsbereich von Pamplona und werden mit dem Auto zurueck fahren. Nur 2 Typen laden mich ein auf der Ruecksitzbank ihres Autos zu pennen, sie nehmen die Sitze vor. Doch ich lehne ab, bevorzuge es dann doch im aufgebauten Zelt mich lang zumachen.

Um halb 4 veschwinde ich dann, viele fragen wohin ich gehe, ich meine Richtung Walddichtung und sie staunen, wuenschen mir nen guten Camino. Dan geh ich. Ein paar Meter spaeter bau ich dann mein Zelt auf dem Feld eines Bauers auf, gerade so am Dorfende, aber ich moechte keinen Schritt weiter. Betrunkenn brauch ich ein wenig laenger die Zeltstangen einzubauen, doch als es fertig werde, bin ich froh mein Quartier zu beziehen und schliesse meinen Schlafsack bis auf Augenhoehe. Alles auf dem Feld ist recht matschig, doch der Schlaf kommt schnell…

Allgemein

Artieda – Undues de Lerda (Tag 13)

April 17th, 2009

img_4458Die erste nacht mit anderen liegt hinter mir, trotzdem ich allein im Schlafsaal war. Es gibt Fruehstueck: Trockener Zwieback mit Marmelade, dazu Magdalenas, ein typisch span. Produkt aehnl. Muffins, Kaffee und Milch. Recht trocken, aber das Fruestueck ist in Spanien wohl nicht so ganz reichhaltig hab ich das Gefuehl. Trotzalledem es spendet Energie.

Ich versuche mich mit dem aelteren deutschen Paarchen am Tisch, aber ein fluessiges Gespaech ergibt sich nicht, ich lasse sie unter sich. Die FranzosenTruppe ist auch nicht sehr wortgewandt, nach dem Essen trennen sich die Wege wieder und ich ziehe allein weiter.

nach ein paar Kilometern fuehrt mich der Weg in eine bizarre Mondlandschaft, die Bodenerosion hat hier allerhand Arbeit getan, es sieht aehnlich wie ein Bergabbaugebiet aus, ist aber alles natuerlich. Weit und breit keiner zu sehen, der Wind pfeift mir um die Ohren. Alles irgendwie recht wuestenaehnlich, am Horizont erkennt man auch keine weiteren Orte, der Weg zieht sich also so eine Weile fast den ganzen Tag lang hin.

Am Abend erreiche ich die Herberge Undues, die aelteren Franzosen Damen laecheln mich bereits an. Die Herberge war damals ein Gefaengnis, spaeter eine Schule, alles sehr geraeumig hier. Die Pilger kenn ich alle schon, nur am abend kommt noch ein Spanier mit dem Rad. Ich nenne ihn Einstein, er hat grosse aehnlichkeit mit dem Genie, er ist den Camino schon das 8e mal unterwegs, ein alter Hase, jedoch schon eingespielt. Das merkt man auch sofort, beim Abendessen bietet er mir was von seinem menu an, da ich nur ein Boquadillo esse. Ich lehne ab, dann bestellt er fuer uns einen Shooter nahmens Pacharan und flirtet in meiner Anwesenheit mit der jungen Barbedienung des Dorfes, ich grinse dabei.

Allgemein

Santa Cilia – Artieda (Tag 12)

April 16th, 2009

img_4439Nachdem ich die Herberge verlasse, komm ich an einem Baecker vorbei, es riecht aus dem ganzen Haus. Beim alten grauen Mann kaufe ich ein Zuckerbrot, eine Explosion von Kalorien, ein Gewicht von fast 1 Kilo, gigantisch gross. Das hilft mir ueber den Tag, ich schaffe es die Haelfte zu essen, den Rest schnall ich auf den Rucksack.

Waehrend des Tages komm ich an eine Strasse, danach wieder auf einen Trampelpfad mit sehr vielen Steinpyramiden, die Pilger gemacht haben. Sieht echt grandios aus und hat sicher ne Zeit gekostet.

Um 17.00Uhr erreiche ich Artieda, ich bin erschrocken, denn ich bin nicht der einzigste in der Herberge, ich sehe andere Schuhe und das nicht wenig. Mindestens 6 andere Pilger haben den Weg bis hierher gemacht. Die Herbergsmutter gibt mir ein Zimmer allein. Es gibt Abendessen, die Gruppen sitzen seperat, ich schliess mich nicht an. Es ist mir ein wenig zu rasch vom Zustand der kompletten Stille in die Unterhaltung mich zu stuerzen, ausserdem moecht ich mich keinem aufdraengen. Ich bleibe allein und schlafe allein. Der erste Kontakt…

Allgemein

Atares – Santa Cilia (Tag 11)

April 15th, 2009

img_4368img_4377img_4386Als ich aufwache sehe ich eine grosse Lache direkt unter meiner Matratze, sie einiges Wasser geschluckt, was durch die Garage geflossen ist, wenn sie mich auch hingleich verschont hat. Ich bin recht gluecklich darueber. Heute gehts zum Kloster so ist mein Ziel, es regnet und das nicht wenig. Mein Poncho – mein bester Freundm wiedereinmal. Alles ist recht schlammig, muehsam, es sollen 3h sein bis zum Kloster und so einige Hoehenmeter, ich bin gespannt. Als ich die ersten Anstiege sehe, bin ich jedoch skeptisch, vieles ist vom naechtlichen Regen unterspuelt, die kleinen Fluesse tragen mehr Wasser als normal. 2 Stunden schlage ich mich durch schlammige Aufstiege, ueberspuelte Fluesse bis ich an eine Wegkreuzung komme, die nicht zu ueberqueren scheint. Ich bin verzweifelt, versuche es jedoch trotzdem ueber den Wegesrand mit ein wenig Kletter einsatz, ein paar Minuten spater waere das auch geschafft. Jetzt gibts kein zurueck mehr, soviel Zeit hab ich schon verloren, es muss weiter. Ich komme zum pass, hier solls ca. 1100m hoch sein, der Hochnebel versperrt mir ein wenig die Sicht, aber es wirkt grandios hier oben. Dann schlingel ich mich durch einige Trampelpfade, der Sturm hat hier sehr viel angerichtet, Baeme sind komplett enwurzelt und versperren mir den Weg. Nach insgesamt 4,5h hab ich es jedoch geschafft. Vor mir das Kloster, und leider auch 2 Touristenbusse voll mit Leuten, die jedoch gerade abreisen – die bequemere Variante wolt ich mir jedoch als Pilger ersparen. Alle gucken mich nur an wie “Wildschwein” und wundern sich aus welchem Loch ich wohl gekrochen bin um hier anzukommen, ich vespere jedoch und lass mich den Blicken nicht beirren. Da ich schon hier bin, will ich auch ins Kloster, ich bekomme ein deutsches Infoblatt, was ich mir durchlese, dann ins Kloster, 20 Minuten bin ich wieder draussen. Ein kurzer Stop, aber der Einblick hat sich gelohnt – das Kloster ist ein Blick wert.

Als ich den Berg wieder runter bin mach ich mich in Richtung Santa Cilia, dort wird meine Herberge fuer heute sein. Kurz vor 5 komm ich in den Vorort, da ueberrascht mich heftigster Seitenregen und ein Wind, der mir den Poncho um die Ohren schlaegt, ich suche Schutz in der nahgelegenen Kirche, dort gibts eine Hecke, die alles abblockt. 5 Minuten spaeter ist alles vorbei und die Sonne knallt als ich Santa Cilia erreiche.

Als ich in die herberge komme, bin ich vom Luxus erschlagen, grandios hier. Heute ist Waschtag, so zieh ich meine Klamotten vom Leib und wasche sie per Hand durch, danach mich selber. Alles brauch seine Zeit. Nach dem Waschen treffe ih die Herbergsmutter, eine sehr lebhafte Frau, wir “schnattern” viel, ihr gefaellts sehr, da nur recht wenige Pilger diese Tage vorbeikommen und sie nur zum Geldeinsammeln und Putzen komme. Dann zeigt sie mir die Waschmaschine und Trockner, die Nuztung = alles inklusive. Ich aergere mich ein wenig und schmeiss mein Zeug dort nocheinmal rein, so wird es wenigstens schneller trocken. In der oberen Etage gibts Internet inklusive, so mach ich mich die kommenden Stunden ran meine TagebuchEintraege zu uebertragen. Danach Makaroni und Schlafsack. Der Hammer faellt

Allgemein

Castillo de Jaca – Atares (Tag 10)

April 14th, 2009

img_4338img_4342img_4365Welch ein grandioser Morgen, das Kondenswasser tropft mir kalt ins Gesicht. Es kann keinen besseren Wachmacher geben. Der Morgenreif am Zelt veranlaesst mich es nass einzupacken. Ich selbst friere ein wenig als ich den warmen Schlafsack verlasse. Die Heizung steht auf Sternchen heute morgen. Ueber einen anderen Wanderweg verlasse ich meine nette Ruine, kein Geist hat mich erschreckt, kein Wolf gefressen, alles noch dran – das ist super.

Ein paar Stunden spaeter komme ich in Jacca an, ein nettes Staedtchen, ist mir sofort symphatisch da es eine grosse Nadelbaumallee hat in der ich einkehre. Am Supermarkt vorbei ueberkommt mich der Konsum. Ich packe ein, was das Zeug haelt – mit grossen Augen und vollen Taschen verlasse ich den Laden vollgepackt mit tollen Sachen, die das Leben bekanntlicherweise schoener machen sollen. Dann geh ich zur Zitadelle, wo ich mein Festmahl zelebriere. Pan mit Tomaten, dazu Milch und jeder Menge Vitamine in Fruchtform, so laessts sich leben!

Jedenfalls moechte ich hier nicht bleiden, zuviele Menschen, zuviel Hektik – nicht jetzt. Es geht weiter, ich moechte Atares erreichen, von wo aus ich dann morgen einen “Abstecher” (welch ein haessliches Wort) ins hochoben gelegene Kloster starten moechte. Der Weg zieht sich recht lang und ist muehsam und feucht, eine Menge kleiner Fluesse, meine Fuesse sind nass – ich friere ein wenig. Entkraftet komm ich dann an, voller Hoffnung in dem kleinen Ort eine offene Kirche anzutreffen, die mich aufnimmt.

An der Kirche angekommen versuche ich mein Glueck, doch die Tuer ist verschlossen. Es leuchtet mir langsam ein, dass die Spanier die Kirchen eher verschlossen als offen halten, hier gelten wohl andere Gesetze als in Frankreich. jedenfalls geb ich nicht auf, gehe zum Haus mit der Nummer 1, hoffentlich ein Gemeindehaus. Jedoch als ich 3x klingele auch hier nix. Ich bin ein wenig verzweifelt, dann kommt ein Spanier vorbei, der meint, dass von der Kirche keiner anzutreffen sei. Ich frage ihn, wo ich sonst schlafen solle. Er gruebelt. Ich quatsche ihn ein wenig weich bis er meint, er wolle seinen Bruder fragen, der gerade mit 30 Schaafen vom Berg gelaufen kommt. Dann grinsen beide und zeigen mir meinen Schlafplatz, sie sind so ueber die Schuhe verwundert, dass sich ein impulsantes Gespaech ergibt. Im Gedanken sitz ich am offenen Kamin in beider gemeinsamer Haus und esse spanische Linsensuppe, aber wie das Glueck so moechte oeffnen sie mir ihren Schaafstall oder Traktoren-Garage und meinen ich koenne dort vor dem heftigen regen heut nacht unterkommen. Ich bedanke mich, denke hier laessts sich aushalten und nehme an. Im Zelt waere es mir zu riskant, will nicht komplett nass sein fuer den langen Weg morgen frueh.

Dann esse ich die Reste vom grossen Einkauf, ein Dorfhund gesellt sich zu mir, mein neuer Reisebegleiter? ich hoffe nicht, denn ich mag ihn nicht ernaehren koennen. Dann oeffne ich die Metalltuer und bereite mein Lager vor. Ich finde in der Ecke der riesigen Garage eine alte Matratze, nehm ich als Untergrund, meine Iso ist mir zu duenn. Dann fallen meine Augen zu.

Ploetzlich hoere ich grosses Donnern und kann teilweise aufblitzendes Licht durch den Tuerschliz sehen, dann setzt ein kraeftiger Regen ein, ich bin richtig froh hier und nicht draussen zu sein. Alles bleibt recht trocken, der Bau scheint seine Funktion zu tun, klasse. Minuten spaeter hoerie ich Gerausche: Entweder Maus oder Ratten das ist klar, also haeng ich mein Rucksack an ein Geruest, so dass sie mir ihn nicht kaputt fressen. Dann verstummen die Gerausche, nur der regen prasselt in dicken Tropfen und ich schlaf ein

Allgemein

test